Das versale Eszett ist eines der Phänomene, die mich als Fan vernünftiger Rechtschreibung fasziniert, seit ich das erste Mal davon gehört habe. Und während man im Freundeskreis begonnen hat — insbesondere seit meinem ersten Artikel über das Versale Eszett — sich darüber lustig zu machen, geht die Sprachgeschichte endlich seinen logischen Weg.
Das Versale Eszett ist nämlich tatsächlich auf dem Vormarsch. Warum? Und wo? Nun, eine kleine Auswahl an Beispielen, die mir in den letzten Tagen begegnet sind:
1.) Am 19.10.2008 hatte ich Markus Kuhn, der die ucs-fonts mit Unicode-Zeichen erweitert, eine Mail geschrieben und ihm mitgeteilt, dass das Versale Eszett in den Fonts noch fehle. Da keine Antwort kam, habe ich mich da gar nicht mehr drum gekümmert, doch nun sehe ich zufällig in der Changelog, dass er bereits einen Tag später diese Änderung vollzogen hat:
9x15.bdf: revision 1.82 date: 2008-10-20 12:41:13+01; author: mgk25; state: Exp; lines: +1460 -162 added some Latin Extended Additional, including capital sharp s
Somit ist das Versale Eszett nun auch in einem weiteren, sehr wichtigen Linux-Font (da er standardmäßig mit ausgeliefert wird) enthalten.
2.) Und nicht nur diese und weitere freie Schriftarten (wie z.B. die wunderbare Linux Libertine) fügen es an seinen Platz ein; Andreas Stötzner berichtet hier: Windows 7 bekommt versales Eszett. Offenbar gibt es also sehr wohl eine steigende Anzahl von Benutzern, die dieses nachfragen, da sie den Buchstaben z.B. im Namen einsetzen wollen. Des Weiteren schätzt Stötzner, dass diese Entwicklung unter anderem auf die kartographische Typographie Einfluss haben werde.
3.) Denn auch Städtenamen sind von der Lücke in unserem zweihäusigen Schriftsystem schließlich betroffen.
Dass es auch da Bedarf gibt, zeigt die wohl momentan spektakulärste Anwendung des neuen Buchstabens: Die neue Gießener Zeitung — die sich selbst als „die mit dem großen Eszett“ bezeichnet und dieses auch als Favicon auf ihrer Webseite benutzt — hat den Buchstaben in ihrem Logo: GIEẞENER ZEITUNG — na, wer kann es schon lesen?
Es kann mir keiner mehr erzählen, dass dieser Buchstabe nicht überfällig war.
Und es wird nur eine Frage der Zeit sein, bis es nicht nur auf alternativen Tastaturlayouts wie meinem geliebten Neo-Layout, sondern auch auf QWERTZ erscheinen wird.
GIEẞERER ZEITUNG
—–
… STRASZE, PREUSZEN … Die Verwendung zweier Buchstaben für einen Laut ist nur ein Notbehelf, der aufhören muß, sobald ein geeigneter Druckbuchstabe für das große ß geschaffen ist.Duden, Rechtschreibung der deutschen Sprache und der Fremdwörter. Bearbeitet von Dr. J. Ernst Wülfing und Dr. Alfred C. Schmidt; Leipzig und Wien, Bibliographisches Institut 1915; S. XII —–
… SCHLOSS-STRASSE, GROSS-SUPER. Die Verwendung der Großbuchstaben SS oder SZ ist nur ein Notbehelf, der aufhören muß, sobald ein geeigneter Druckbuchstabe für das große ß geschaffen ist.
Duden, Rechtschreibung der deutschen Sprache und der Fremdwörter. Hrsg. Horst Klien, 13. Auflage; Bibliographisches Institut Leipzig 1947; S. 16* —–
Das Schriftzeichen ß fehlt leider noch als Großbuchstabe. Bemühungen, es zu schaffen, sind im Gange.
Der Große Duden, Wörterbuch und Leitfaden der deutschen Rechtschreibung. Hrsg. Horst Klien, 15. Auflage; Bibliographisches Institut Leipzig 1960; S. 800
(Bild und Zitatesammlung von signographie.de. Autor des Bildes: Andreas Stötzner)


Juli 15th, 2009 at 19:39
Ich muß mal gucken, wie ich das ẞ in das Dvorak-Layout reinbasteln kann… und ja, ich kann es lesen.
August 12th, 2009 at 08:41
mein liebes multi-vitamin
wenn dein versales eszett dann irgendwann tatsächlich mal erscheinen sollte – werde ich sterben.
versalausgleiche sind so schon absolut zum k*****, und dann noch mit einem solchen un-buchstaben?
nein, danke!
ps: let’s start a band
August 12th, 2009 at 14:20
Liebe Franzy!
Ich bin erstaunt, dass die moderne Technik es bereits ermöglicht, Nachrichten aus dem Jenseits zu schreiben. o.O
Denn: Hättest du meine beiden Nachrichten aufmerksam gelesen, wüsstest du, dass der Buchstabe nicht “erscheinen” muss; er existiert. De facto seit über 100 Jahren und digital seit einem.
Außerdem: Sieh doch bitte die Notwendigkeit ein. Ich kann die die beiden entsprechenden Signographie-Bände von signographie.de empfehlen.
PS: Last.fm rulez.
August 12th, 2009 at 21:35
klar rult last.fm
aber wieso hörst DU amy? (poison prince is viiieeeel cooolerer!)
und, lieber ace, ich sprach von dem versalen sz. dass der buchstabe existiert, weiß ich. is doch wurst, den brauch niemand
August 12th, 2009 at 23:31
Weil Amy eine geile Stimme hat. (Im Übrigen auch einen geilen schottischen Akzent. Schonmal Interviews gehört?)
Des Weiteren: Das sehen viele MEIẞNERs, LIẞTs usw. anders.
August 13th, 2009 at 09:53
Also ich kann das Versale sz (ß) auch nur unterstützen, habe ich doch aus dem Grund aus meinem Nachnamen das ß zu einem ss gemacht… was nicht selten für Verwirrungen sorgt
Ich bin also dafür. So.
August 13th, 2009 at 12:08
Siehste! Da haben wir nämlich so eine SZ-Nachnamen-Kandidatin.
Gerade bei Behörden kommt es nämlich nicht selten vor, dass Namen nicht richtig geschrieben werden. Hast du z.B. mal auf deinen Perso geguckt?
Überhaupt muss es bessere Unicode-Unterstützung geben. Auf EU-Ebene ist das z.B. nicht so ein Problem; schließlich müssen da auch Namen mit slawischen Buchstaben, mit griechischen oder kyrillischen geschrieben werden können.