Als er nach draußen trat, war es schon dunkel. Die Hänge zwischen den Universitätsgebäuden waren mit einem reinen und unangetasteten Weiß bedeckt. Die Bäume ließen ihre mit Schnee betupften Wipfel hängen.

Er marschierte los.

Er lief die Treppen hinab, ließ den obskur am Grifflenberg klebenden Komplex Stück für Stück hinter sich. Er überholte mehrere Kommilitonen, die mit ihren halbhohen Lederschuhen wie unbeholfene Kinder über die graue, unebene Masse schlitterten. Seine bestahlkappten, vierzehn Loch hohen, à 900 Gramm schweren Springer jedoch erzeugten ein angenehmes Knacken, jedes Mal, wenn sich das feste Profil der verschraubten Sohle in den harten Schnee presste.

Sicheren Schrittes marschierte er weiter.

Als er die Brücke zur Südstadt überquerte, sah er die durch den Schneematsch schleichende Autokolonne unter sich. Er ging zu Fuß, ließ den farblosen Lindwurm unter und schließlich hinter sich.

Er marschierte durch die Südstadt.

Eine alte Frau kämpfte mit ihrem Schirm, dessen dünne Gräten sich grotesk verbogen, als der Stoff durch den Wind nach außen geklappt wurde. Wie eine Witzfigur sah sie aus.

Er marschierte weiter, den Kopf gegen den Wind gerichtet, der ihm den Schnee gegen den Wasser und Wind trotzenden Stetson blies.

Abermals überholte er zwei Gestalten, die profillos über den Schnee rutschten. Mit rudernden Ärmchen versuchten sie, das Gleichgewicht zu behalten. Seine Stiefel knackten selbstsicher, als er an ihnen vorbeischritt.

Er marschierte weiter.

Ein Auto stand quer auf der Straße – gegen ein nun leicht verformtes Straßenschild gelehnt. Daneben fror, sich die Jacke zuhaltend, eine Frau. Er lief weiter, lief zu Fuß; der nun zu Graupelkörnern gewordene Schauer prallte von seiner zugeknöpften und eng anliegenden Constable-Uniform ab.

Er marschierte.

Er lief an einer Bushaltestelle vorbei. Eine Frau beklagte sich lautstark bei einer anderen, warum die Stadtwerke denn so unvorbereitet seien. Es fahren keine Busse mehr, dachte er sich; hatten sie denn die lokalen Tweets nicht verfolgt? Außerdem hat die Stadt kein Streusalz mehr, dachte er sich – und lief weiter, lief zu Fuß.

Er marschierte.

Er lief zu Fuß.

Er kam an.


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2 Comments »

  1. Wie auch immer Du das hinbekommst, pardon: er. In meine Springerprofile frisst sich der Schnee regelrecht ein und nach 2 Schritten sind sie glatter als jeder normale Schuh.

    Comment by Fav — 30. Januar 2010 @ 17:31

  2. Er weiß zwar auch nicht, was du anders machst oder inwiefern sich deine von seinen Springern unterscheiden, aber seine packen das. 🙂

    Comment by Eglatholion — 30. Januar 2010 @ 18:58

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