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	<title>Eglatholion.de &#187; Kurzgeschichten</title>
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	<description>Philologische Phantasmagorie</description>
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		<title>Stöckchen: Weihnachtsgeschichte auf Raten</title>
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		<pubDate>Tue, 21 Dec 2010 00:14:51 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Eglatholion</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Kurzgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Literarisches]]></category>
		<category><![CDATA[Netzkultur]]></category>

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		<description><![CDATA[Etwas Interessantes ist mir heute widerfahren: Schreibt mich doch der @pVt_m4sTeR via Twitter an und bittet mich darum, an dieser Weihnachtsgeschichte auf Raten mitzuschreiben. Nun denn. Zunächst einmal die Leute, die bisher daran mitgewirkt haben: Von Himmelschwarz Konna Feronia Hannah Chris Hakan Chaosmacherin Rumi und schließlich pVt_m4sTeR ist das Puzzle bislang zusammengesetzt worden. Jetzt noch [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Etwas Interessantes ist mir heute widerfahren: Schreibt mich doch der <a href="http://twitter.com/#!/pVt_m4sTeR" target="_blank">@pVt_m4sTeR</a> via Twitter an und bittet mich darum, an dieser Weihnachtsgeschichte auf Raten mitzuschreiben. Nun denn.</p>
<p>Zunächst einmal die Leute, die bisher daran mitgewirkt haben: Von</p>
<p><a href="http://himmelschwarz.com/2010/12/14/weihnachtsgeschichte-auf-raten/">Himmelschwarz</a><br />
<a href="http://www.gedankendeponie.net/2010/12/15/stockchen-weihnachtsgeschichte-auf-raten/">Konna</a><br />
<a href="http://feronia.wordpress.com/2010/12/15/weihnachtsgeschichte-auf-raten/">Feronia</a><br />
<a href="http://aheadwork.de/2010/12/15/stockchen-weihnachtsgeschichte/">Hannah</a><br />
<a href="http://www.polaroidmedchen.de/2010/12/15/stockchen-weihnachtsgeschichte/">Chris</a><br />
<a href="http://www.ichschwoersdir.de/2010/12/16/stockchen-weihnachten-die-geschichte/">Hakan</a><br />
<a href="http://chaosmacherin.de/2010/12/17/stockchen-weihnachtsgeschichte-auf-raten/">Chaosmacherin</a><br />
<a href="http://lostnhelix.blogspot.com/2010/12/stockchen-eine-kleine.html">Rumi</a></p>
<p>und schließlich <a href="http://dailyportal.de/stockchen-weihnachtsgesichte-auf-raten/109/" target="_blank">pVt_m4sTeR</a> ist das Puzzle bislang zusammengesetzt worden.</p>
<p>Jetzt noch kurz die Regeln, danach geht’s endlich los. <img src='http://www.eglatholion.de/wp-includes/images/smilies/icon_smile.gif' alt=':-)' class='wp-smiley' /> </p>
<p><em>Jeder schreibt so viel er möchte, einen Satz, oder zwei oder  auch einen oder mehrere Absätze und reicht den Gesamttext dann an eine  Person weiter, und so soll bis zum 24. eine Geschichte entstehen. Lustig,  traurig, besinnlich, eigenartig, kritisch oder von allem ein Bisschen  was. Dem Ganzen sind keine Grenzen gesetzt.</em></p>
<p><em>Bitte verknüpft immer diejenigen, die vor euch das Stöckchen hatten, damit die Story nicht „verloren“ geht.</em></p>
<p>Sie würde wieder zu spät kommen, sie wusste es, aber was konnte sie  denn schon dafür, dass ihr der verdammte Bus vor der Nase davongefahren war? Der dämliche Busfahrer hätte ja auch kurz warten können und nicht  noch extra auf die Tube drücken müssen. Wenn es nicht auch noch so  schrecklich kalt wäre. Sie hüpfte von einem Bein auf das andere und  versuchte sich mit Gedanken an den Sommer zu wärmen. Doch sommerliche  Gedanken waren bei diesen Temperaturen und dem Anblick von abertausenden  LEDs, die Weihnachtsmänner, Rentiere, Geschenkepäckchen, Christbäume  und anderen Weihnachtskitsch bildeten, nicht einfach.<span id="more-404"></span></p>
<p>Da es ewig dauern würde, bis der nächste Bus käme, konnte sie  genauso gut auch zu Fuß weitergehen. So blieb sie immerhin in Bewegung  und das war allemal besser als zitternd herumzustehen und zu warten,  zumal es sowieso nicht abzusehen war, wann und ob der nächste Bus käme,  denn das Schneegestöber wurde immer heftiger. Sie erinnerte sich noch  genau an die Worte des Radiomoderators: „Wenn es nicht unbedingt sein  muss, dann bleiben Sie daheim, es wird ungemütlich und bitterkalt!“ Sie  wiederholte die Wörter in ihren Schal murmelnd, den sie bis über die  Nase gezogen hatte. „So ein Schlaumeier“, sprach sie dann etwas  deutlicher. Es war ja niemand da, der sie hätte hören können. Allein  stapfte sie durch den Schnee, setzte vorsichtig einen Fuß vor den  anderen und dachte nach. Darüber, ob es die richtige Entscheidung  gewesen war, ihr Kommen zugesagt und sich auf den Weg gemacht zu haben.  Und natürlich über die möglichen Folgen ihrer Verspätung. Sie ärgerte  sich über sich selbst.</p>
<p>Sie wurde immer wütender. Auf sich selbst, das Wetter, die ganze  Welt. Natürlich war kein Mensch draußen unterwegs, natürlich wurde das  Schneetreiben noch dichter und natürlich würde sie so eine Ewigkeit für  den Weg brauchen. „Ich sollte wenigstens anrufen, um Bescheid zu sagen!“  Sie fing also an, in ihrer Tasche zu wühlen. Eine von diesen großen,  praktischen, in denen man seinen halben Hausstand unterbringen konnte  und nie das fand, das man gerade wollte. Schnee fiel in die Tasche,  während sie suchte. Sie fluchte, sie kramte, sie fand dort alles  Mögliche, aber nicht das Handy.</p>
<p>Sie spürte, wie die Wut in ihr größer wurde und wie immer, wenn das  geschah, begann es vor ihren Augen zu flimmern. Zitternde Sterne  mischten sich unter das Schneegestöber, leuchteten im gleichen Pulsieren  wie ihr schneller werdender Herzschlag und brannten in ihren Augen, die  sie ärgerlich zusammenkniff. „Nicht jetzt!“, murmelte sie sich selbst  zu, doch der weinerliche Ton ihrer Stimme schürte ihren Zorn erneut. Sie  hasste es, wenn sie sich anhörte wie ein kleines Mädchen.</p>
<p>Das altbekannte Kribbeln begann in ihren Fingern, die von der Kälte  bereits bläulich schimmerten, nun jedoch langsam wieder an Farbe  gewannen. Als sie die Augen beinahe verzweifelt wieder öffnete, sah sie,  wie die Sterne, die vor ihren Augen getanzt hatten, zu ihren  Fingerspitzen flogen. Knisternd wie freigesetzte Elektrizität verharrten  sie dort, darauf wartend, gelenkt zu werden und sie wusste, dass sie  keine andere Wahl mehr hatte. Sie musste ihren Zorn entladen, ehe er  sich gegen sie wandte. Suchend sah sie sich um und hob ihren Kopf, als  sie ein leises Rascheln über sich hörte. Sicher ein Vogel. Einen Vogel  konnte sie opfern. Lieber einen Vogel als einen Menschen. Entschlossen  hob sie ihre Arme, die Sterne an ihren Fingern leuchteten auf, schmolzen  die entgegenkommenden Schneeflocken, und mit einem leisen Keuchen  entließ sie sie in die Nacht. Wie ein winziger Komet flogen sie nach  oben und ein leiser Schrei entfuhr ihr, als das Leuchten die Umgebung  erhellte, und sie erkannte, dass es gar kein Vogel war. Doch es war  bereits zu spät.</p>
<p>„Nein!“, murmelte sie und rannte auf die Absturzstelle zu.</p>
<p>„Nein!“, schrie sie auch nochmal, als sie an diesem großen Fleck  ankam, der sich in den Schnee geschmolzen und durch die dünne Eisschicht  gebrochen hatte. Überall lagen die klaren Zeichen eines schrecklichen  Unfalls im weißen Samt des Schnees versenkt, schmolzen sich ihren Weg  unter die Schneedecke. Sie traute ihren Augen kaum und musste zwei mal  blinzeln, um dem Schrecken gewahr zu werden, den sie gerade durch etwas  Wut angerichtet hatte.</p>
<p>Überall auf der weichen Oberfläche, die das Mondlicht sanft  reflektierte, brannten kleine Packschleifen, buntes Geschenkpapier und  wollene Socken. Im Epizentrum, der Stelle mit der größten  Schneeverdrängung, waren lediglich noch die Kuven eines Schlittens zu  sehen. Hastig machte sie sich daran, das riesige Gefährt freizulegen,  nicht wissend, was sie erwarten würde.</p>
<p>Je mehr sie buddelte, desto schneller wurde sie, je schneller sie  wurde, desto heftiger bebte ihr Herz, je heftiger es bebte, desto  zittriger wurden ihre Hände, ihr Atmen. Das Weiß des Schnees verschmolz  Handschaufel um Handschaufel mit dem Weiß ihrer Haut. Sie saß auf dem  Boden, und bei dem Versuch, Gott weiß wen zu befreien, schüttete sie sich  immer mehr selbst zu, der Schnee stand ihr schon bis zum Bauchnabel. Die  Kälte des Eises trieb das Blut zurück in ihren Körper und lackierte  ihre Finger violett. Sie brannte. Plötzlich stieß sie mit voller Wucht  auf Widerstand, ihr Nagel brach ab, sie tröpfelte rot auf weiß, auf  schwarz. Schwarz, warum schwarz?</p>
<p>Sie grub noch ein Bisschen tiefer, und was sie dann sah ließ ihr das  Blut in den Adern gefrieren. Da lag ein kleines, rothaariges Mädchen in  einer schwarzen Jacke. Sie sah ein bisschen aus wie … Nein, das konnte  nicht wahr sein!</p>
<p>Immer noch verwundert schaute sie auf das Fleckchen vor sich und  versuchte ihre Gedanken zu ordnen. Im ersten Moment dachte sie, dass sie  sich einfach irrte und ihr kalter Körper sich irgendetwas eingebildet  hatte, doch sooft sie blinzelte, das Bild vor ihr veränderte sich  nicht. Die roten Haare des Mädchens sahen in dem weißem Schnee aus wie  feine Blutgerinnsel. Dann schüttelte sie den Kopf und versuchte sich  wieder darauf zu konzentrieren wer, oder was sie denn vor sich liegen  hatte.</p>
<p>Sie starrte das Mädchen regelrecht an und beobachtete, wie die  Schneeflocken auf ihrer Haut schmolzen. Nachdem sie sich wieder besonnen  hatte, eher herauszufinden was ihr fehlt und wer sie war, als sie  pausenlos anzustarren, bewegte sich das Mädchen.</p>
<p>„Weiter graben“, murmelte sie und versuchte das verschüttete Mädchen  weiter freizulegen.  Sie konnte keine offensichtlichen Verletzungen  erkennen, entdeckte allerdings ein merkwürdiges Tattoo auf der  Innenseite des Armes des Mädchens. Es erinnerte sie an ein antikes  Symbol, dass sie schon einmal in einem ihrer wirren Träume gesehen  hatte. „Wer war dieses Mädchen?“, fragte sie sich lauter als  beabsichtigt. Da erwachte das Mädchen, sah sich mit großen Augen um und  fragte:<br />
„“Wo bin ich?“<br />
„In Sicherheit“ , sagte sie.<br />
Das Mädchen war schwach, so schwach, dass sie postwendend wieder  ohnmächtig wurde. Sie beschloss, das Mädchen mitzunehmen, was angesichts  ihrer Ohnmächtigkeit recht schwer werden dürfte.</p>
<p style="padding-left: 30px;">„Langsam“, sagte sie sich. „Nachdenken.“ Sie hatte sich also wieder einmal nicht beherrschen können und ihre Wut siegen lassen. Dabei hatte sie aus Versehen den Weihnachtsmann vom Himmel geholt, der sich letztlich aber als rothaariges Mädchen entpuppt hatte, <span style="text-decoration: line-through;">der</span> die eine schwarze Jacke trug und nun ohnmächtig war. Eine schwierige Situation, dabei wollte sie doch einfach nur mit ihren Freundinnen Weihnachten feiern. Na ja &#8230; mit ein paar Freundinnen und ein paar Jungs. Nun, und ein paar Flaschen Glühwein. Und Amaretto, versteht sich. Aber das musste nun wohl erst einmal verschoben werden. „Die Weihnachtsfrau braucht Hilfe“, sagte sie entschlossen und rappelte sich auf. Sie musste sie hier wegbringen. Als sie sich umschaute, überlegend, wie sie die Verletzte transportieren konnte, bemerkte sie plötzlich die Rentiere, die sie zuvor gar nicht gesehen hatte. „Natürlich“, freute sie sich. „Wo ein Schlitten ist, ist auch ein Rentier, heißt es doch im Volksmund“, jauchzte sie.</p>
<p style="padding-left: 30px;">Nachdem sie schließlich den Schlitten wieder ausgegraben und die noch flugfähigen Rentiere wieder eingespannt hatte – zwei hatten sich schwer verletzt; aber sie hatte weder den Mut noch die Waffe, um sie von ihrem Leid zu erlösen; aber sicherlich könnte man auch später zurückkommen und sie irgendwie wieder heilen. Vielleicht.  –, verfrachtete sie die junge Rothaarige auf den Schlitten, arretierte sie mit rotem Geschenkband und flog los.</p>
<p style="padding-left: 30px;">Nach ein paar Minuten hatte sie sich an die gewöhnungsbedürftige Steuerung des protzigen Schlittens gewöhnt und konnte auch etwas die Aussicht genießen. Plötzlich wurde sie eines Geräusches gewahr: Hinter ihr stöhnte die Weihnachtsfrau jämmerlich. Sie schreckte hoch, verdrehte die Augen, übergab sich plätschernd auf die hell erleuchtete Stadt unter ihr – und sackte erneut ohnmächtig zusammen.</p>
<p>&#8212;-</p>
<p>Der eingerückte Teil ist meine Ergänzung.</p>
<p>Ich gebe das Stöckchen nun an <a href="http://schmittis-welt.de/2010/12/21/stoeckchen-weihnachtsgeschichte-auf-raten/" target="_blank">die Schmitt</a> weiter und möchte noch dran erinnern, dass die nach mir nun langsam zu einem runden Ende kommen müssen, wenn die Geschichte bis zum 24. vollendet sein soll. <img src='http://www.eglatholion.de/wp-includes/images/smilies/icon_wink.gif' alt=';)' class='wp-smiley' /> </p>
<p>PS: Ich habe die Orthographie hier und da behutsam korrigiert.</p>
<script type="text/javascript">  linkscolor = "000000";  highlightscolor = "888888";  backgroundcolor = "FFFFFF";  channel = "none";   </script><script type="text/javascript" src="http://www.addmarx.com/dynamicbookmark_compressed.php"></script><span><a onClick="clickDynamic1(this); return false;" href="http://www.addmarx.com"><img style="padding:0px; margin:0px" src="http://www.eglatholion.de/wp-content/plugins/addmarx/sharebookmarx.png" border="0"></a></span><span style="position:absolute; z-index:1000001; margin-top:24px; margin-left:-127px; visibility:hidden;"><iframe id="addmarx_empty" scrolling="no" frameborder="0"></iframe></span><p class="addmarx_spacer"></p><!-- Please place the above code into your site where you want to have a bookmark/share/publicize link. Please do not change any of the code aside from the link text or image, or else the code may not work properly.  -->]]></content:encoded>
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		<title>Er lief zu Fuß</title>
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		<pubDate>Fri, 29 Jan 2010 19:25:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Eglatholion</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Kurzgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Literarisches]]></category>
		<category><![CDATA[Uni]]></category>

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		<description><![CDATA[Als er nach draußen trat, war es schon dunkel. Die Hänge zwischen den Universitätsgebäuden waren mit einem reinen und unangetasteten Weiß bedeckt. Die Bäume ließen ihre mit Schnee betupften Wipfel hängen. Er marschierte los. Er lief die Treppen hinab, ließ den obskur am Grifflenberg klebenden Komplex Stück für Stück hinter sich. Er überholte mehrere Kommilitonen, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Als er nach draußen trat, war es schon dunkel. Die Hänge zwischen den Universitätsgebäuden waren mit einem reinen und unangetasteten Weiß bedeckt. Die Bäume ließen ihre mit Schnee betupften Wipfel hängen.</p>
<p>Er marschierte los.</p>
<p><span id="more-310"></span></p>
<p>Er lief die Treppen hinab, ließ den obskur am Grifflenberg klebenden Komplex Stück für Stück hinter sich. Er überholte mehrere Kommilitonen, die mit ihren halbhohen Lederschuhen wie unbeholfene Kinder über die graue, unebene Masse schlitterten. Seine bestahlkappten, vierzehn Loch hohen, à 900 Gramm schweren Springer jedoch erzeugten ein angenehmes Knacken, jedes Mal, wenn sich das feste Profil der verschraubten Sohle in den harten Schnee presste.</p>
<p>Sicheren Schrittes marschierte er weiter.</p>
<p>Als er die Brücke zur Südstadt überquerte, sah er die durch den Schneematsch schleichende Autokolonne unter sich. Er ging zu Fuß, ließ den farblosen Lindwurm unter und schließlich hinter sich.</p>
<p>Er marschierte durch die Südstadt.</p>
<p>Eine alte Frau kämpfte mit ihrem Schirm, dessen dünne Gräten sich grotesk verbogen, als der Stoff durch den Wind nach außen geklappt wurde. Wie eine Witzfigur sah sie aus.</p>
<p>Er marschierte weiter, den Kopf gegen den Wind gerichtet, der ihm den Schnee gegen den Wasser und Wind trotzenden Stetson blies.</p>
<p>Abermals überholte er zwei Gestalten, die profillos über den Schnee rutschten. Mit rudernden Ärmchen versuchten sie, das Gleichgewicht zu behalten. Seine Stiefel knackten selbstsicher, als er an ihnen vorbeischritt.</p>
<p>Er marschierte weiter.</p>
<p>Ein Auto stand quer auf der Straße – gegen ein nun leicht verformtes Straßenschild gelehnt. Daneben fror, sich die Jacke zuhaltend, eine Frau. Er lief weiter, lief zu Fuß; der nun zu Graupelkörnern gewordene Schauer prallte von seiner zugeknöpften und eng anliegenden Constable-Uniform ab.</p>
<p>Er marschierte.</p>
<p>Er lief an einer Bushaltestelle vorbei. Eine Frau beklagte sich lautstark bei einer anderen, warum die Stadtwerke denn so unvorbereitet seien. Es fahren keine Busse mehr, dachte er sich; hatten sie denn die lokalen Tweets nicht verfolgt? Außerdem hat die Stadt kein Streusalz mehr, dachte er sich – und lief weiter, lief zu Fuß.</p>
<p>Er marschierte.</p>
<p>Er lief zu Fuß.</p>
<p>Er kam an.</p>
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		<title>Der König der Tauben</title>
		<link>http://www.eglatholion.de/2010/01/25/der-konig-der-tauben/</link>
		<comments>http://www.eglatholion.de/2010/01/25/der-konig-der-tauben/#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 25 Jan 2010 00:46:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Eglatholion</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Kurzgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Literarisches]]></category>

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		<description><![CDATA[Ralfis Tag hatte eigentlich ganz normal begonnen. Auf seiner Regenrinne aufgewacht, ließ er zunächst seine weißen Exkremente unter sich fallen, hoffend, dass er damit einen ahnungslosen Passanten treffen würde. Weiße Exkremente?, von einer Dachrinne? Ja, Ralfi war kein gewöhnlicher Wuppertaler Bürger; genaugenommen war er gar kein Bürger. Bei unserem Protagonisten handelt es sich nämlich um [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ralfis Tag hatte eigentlich ganz normal begonnen. Auf seiner Regenrinne aufgewacht, ließ er zunächst seine weißen Exkremente unter sich fallen, hoffend, dass er damit einen ahnungslosen Passanten treffen würde. Weiße Exkremente?, von einer Dachrinne? Ja, Ralfi war kein gewöhnlicher Wuppertaler Bürger; genaugenommen war er gar kein Bürger. Bei unserem Protagonisten handelt es sich nämlich um eine Taube. Eine Taube?, mag sich der werte Leser fragen; welcher Hirnrissige schreibt denn eine Geschichte über eine miese Luftratte? Doch wir möchten den geneigten Leser um etwas Geduld bitten. Denn Ralfi war keine gewöhnliche Taube. Ralfi war ab jenem besonderen Tag: Der König der Tauben.<span id="more-299"></span><br />
Wo waren wir? Achja: Ralfi hatte also vom Dach geschissen – jedoch keinen der Fußgänger erwischt, die an diesem Morgen bereits durch die Elberfelder Innenstadt wuselten. Verärgert flog er daher nach unten auf das kalte Pflaster, um nach ersten Brotkrumen oder anderen kulinarischen Leckerbissen zu suchen, die die Menschen so achtlos fallen ließen. Kaum hatte er jedoch das kleine Vordach verlassen, das er nun seit einigen Monaten sein zu Hause nannte und das er sich mit einigen Artgenossen teilte, als ein großes rotes Etwas genau an der Stelle auf das Dach schlug, an der er sich noch vor wenigen Augenblicken entleert hatte. Ein Schaudern zog durch den Körper unseres gefiederten Freundes. Fast hätte es ihn erwischt. Der Morgen fing ja gut an.<br />
Ralfi wollte sich gerade wieder der Nahrungssuche zuwenden, als er im Augenwinkel bemerkte, wie seine gurrenden Mitbewohner neugierig das rote Ding umlagerten und es untersuchten. Vielleicht wartete dort ja eine besonders leckere Mahlzeit auf ihn. Und womöglich würde er nichts davon abbekommen, sollte er nicht schleunigst seine Ansprüche auf einen Teil dessen unterstreichen. Flink wie ein Fink – wie die Tauben zu sagen pflegen (diese Tiere waren noch nie gut im Konstruieren rhetorischer Figuren gewesen) – schoss er also hinauf aufs Dach, hämmerte mit seinem Schnabel auf die Köpfe seiner Gefährten ein bis das Blut spritzte und nahm schließlich auf dem eroberten Objekt Platz. Wie sich nun herausstellte, war das Geschoss, durch das er fast – im wahrsten Sinne des Wortes – über die Wupper gegangen wäre, erstaunlich weich und bequem. Ja, meine Freunde, unser gefiederter Geselle saß auf einem roten Kissen, einem Kissen, das anscheinend beim Bettenlüften aus einem Fenster und auf Ralfis Wohnstatt gefallen war.<br />
Und da Ralfi Gefallen an der weichen Sitzunterlage gefunden hatte, beschloss er fortan, auf dem Kissen sitzenzubleiben. Die anderen Tauben, zu dumm, um nun selbst noch Anspruch auf die Sitzgelegenheit zu erheben, obgleich sie doch in der Überzahl waren, bestaunten, wie edel es doch aussehe, wenn Ralfi auf diesem Kissen sitze und mit vor Stolz geschwellter Brust in die Menge schaue. Ja, wie ein König gar sehe er aus.</p>
<p>Ein König! Dies gefiel dem eitlen Geflügel, und fortan nannte er sich König Ralf.<br />
Nach einiger Zeit war es Ralfi, bedingt durch seine enorme Authorität, gelungen, einen kleinen Hofstaat zu etablieren. Seine neuen Untertanen taten alles, um ihren König glücklich zu machen. Sie brachten ihm nicht nur Brotkrumen, sondern auch Dönerreste, Salatblätter, Schokokrümel, außerdem kleine Oliven, Hamburger, Gebratene Nudeln mit süß-saurer Sauce, zudem Anchovis, Knuspermüsli, Hackbraten, ja sogar ganze Grillteller, wahlweise mit Pommes Frittes oder Kroketten, sowie Hackfleisch-Lauch-Suppe und sogar das ein oder andere mal einen frisch erlegten Pavian. Und nicht nur für seinen gefüllten Magen wurde gesorgt. Auch Drogen und geflügelte Prostituierte sollte unser Held bekommen. Manchmal verbrachte Ralfi ganze Nächte mit Black Jack und Nutten; freilich bei einem guten Glas Whisky. Für alles wart gesorgt. Und so lebte König Ralf glücklich bis an sein Ende.*</p>
<p style="text-align: center;"><a href="http://www.eglatholion.de/wp-content/uploads/2010/01/König_Ralf.jpg"><img class="aligncenter size-large wp-image-300" title="König Ralf" src="http://www.eglatholion.de/wp-content/uploads/2010/01/König_Ralf-300x174.jpg" alt="König Ralf" width="300" height="174" /></a></p>
<p>* Wobei sein Ende übrigens durch einen dreiachsigen Linienbus der WSW verursacht wurde. Die rechtsseitigen sechs Zwillingsreifen zermalmten seinen kleinen Körper, bis von unserem geliebten Helden nur noch ein matschiger roter Fleck übrig war. Natürlich übernahm sofort sein alter Erzfeind Daniel den Thron. Niemand erhob Einspruch.</p>
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