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2009 15 Jul

Versales Eszett weiter auf dem Vormarsch

Author: Eglatholion Categories: Allgemein, Linguistisches

Das versale Eszett ist eines der Phänomene, die mich als Fan vernünftiger Rechtschreibung fasziniert, seit ich das erste Mal davon gehört habe. Und während man im Freundeskreis begonnen hat — insbesondere seit meinem ersten Artikel über das Versale Eszett — sich darüber lustig zu machen, geht die Sprachgeschichte endlich seinen logischen Weg.

Das Versale Eszett ist nämlich tatsächlich auf dem Vormarsch. Warum? Und wo? Nun, eine kleine Auswahl an Beispielen, die mir in den letzten Tagen begegnet sind:

1.) Am 19.10.2008 hatte ich Markus Kuhn, der die ucs-fonts mit Unicode-Zeichen erweitert, eine Mail geschrieben und ihm mitgeteilt, dass das Versale Eszett in den Fonts noch fehle. Da keine Antwort kam, habe ich mich da gar nicht mehr drum gekümmert, doch nun sehe ich zufällig in der Changelog, dass er bereits einen Tag später diese Änderung vollzogen hat:

9x15.bdf: revision 1.82
date: 2008-10-20 12:41:13+01;  author: mgk25;  state: Exp;  lines: +1460 -162
added some Latin Extended Additional, including capital sharp s

Somit ist das Versale Eszett nun auch in einem weiteren, sehr wichtigen Linux-Font (da er standardmäßig mit ausgeliefert wird) enthalten. :-)

2.) Und nicht nur diese und weitere freie Schriftarten (wie z.B. die wunderbare Linux Libertine) fügen es an seinen Platz ein; Andreas Stötzner berichtet hier: Windows 7 bekommt versales Eszett. Offenbar gibt es also sehr wohl eine steigende Anzahl von Benutzern, die dieses nachfragen, da sie den Buchstaben z.B. im Namen einsetzen wollen. Des Weiteren schätzt Stötzner, dass diese Entwicklung unter anderem auf die kartographische Typographie Einfluss haben werde.

3.) Denn auch Städtenamen sind von der Lücke in unserem zweihäusigen Schriftsystem schließlich betroffen.
Dass es auch da Bedarf gibt, zeigt die wohl momentan spektakulärste Anwendung des neuen Buchstabens: Die neue Gießener Zeitung — die sich selbst als „die mit dem großen Eszett“ bezeichnet und dieses auch als Favicon auf ihrer Webseite benutzt — hat den Buchstaben in ihrem Logo: GIEẞENER ZEITUNG — na, wer kann es schon lesen? ;-)

Es kann mir keiner mehr erzählen, dass dieser Buchstabe nicht überfällig war.

Und es wird nur eine Frage der Zeit sein, bis es nicht nur auf alternativen Tastaturlayouts wie meinem geliebten Neo-Layout, sondern auch auf QWERTZ erscheinen wird.

GIEẞERER ZEITUNG

GIEẞERER ZEITUNG

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… STRASZE, PREUSZEN … Die Verwendung zweier Buchstaben für einen Laut ist nur ein Notbehelf, der aufhören muß, sobald ein geeigneter Druckbuchstabe für das große ß geschaffen ist. 
Duden, Rechtschreibung der deutschen Sprache und der Fremdwörter. Bearbeitet von Dr. J. Ernst Wülfing und Dr. Alfred C. Schmidt; Leipzig und Wien, Bibliographisches Institut 1915; S. XII
—–
… SCHLOSS-STRASSE, GROSS-SUPER. Die Verwendung der Großbuchstaben SS oder SZ ist nur ein Notbehelf, der aufhören muß, sobald ein geeigneter Druckbuchstabe für das große ß geschaffen ist.
Duden, Rechtschreibung der deutschen Sprache und der Fremdwörter. Hrsg. Horst Klien, 13. Auflage; Bibliographisches Institut Leipzig 1947; S. 16*
—–
Das Schriftzeichen ß fehlt leider noch als Großbuchstabe. Bemühungen, es zu schaffen, sind im Gange.
Der Große Duden, Wörterbuch und Leitfaden der deutschen Rechtschreibung. Hrsg. Horst Klien, 15. Auflage; Bibliographisches Institut Leipzig 1960; S. 800

(Bild und Zitatesammlung von signographie.de. Autor des Bildes: Andreas Stötzner)
2007 21 Nov

Partizipiales

Author: Eglatholion Categories: Allgemein, Kolleg, Linguistisches, Literarisches

Ein Partizip, schon knickebeinig,
War mit sich selber nicht mehr einig.
Es meditierte hin und her,
Was für ein Partizip’s wohl wär.

Es liebte schon nicht mehr so recht,
Und liebend paßte also schlecht.
Mit Partizipium I daher
War’s leider Gottes schon nichts mehr.

Geliebt dagegen schien verfrüht,
Weil noch ein Liebesfünkchen glüht.
Ich bin, behauptet’s fest und steif,
Für Nummer II noch nicht recht reif.

Da kam ein Studienrat herbei
Und gab die Note „I bis II“.
So ward dies Partizipium
Ein veritables Unikum.

Nun wußt’s auf einmal, was es war:
Ein ausgefallnes Exemplar.
Nicht I, nicht II – nein, nur ein Zwitter
Und Studienratsgedankensplitter.

P. Schröter

Quelle:

Dr. Heinrich Schmeken: Orbis Romanus. Einführung in die lateinische Sprache.
2. überarbeitete Auflage. Paderborn 1991, S. 117

2007 11 Jun

Bchuastbneslaat

Author: Eglatholion Categories: Allgemein, Linguistisches

Gmäeß eneir Sutide eneir elgnihcesn Uvinisterät ist es nchit witihcg, in wlecehr Rneflogheie die Bstachuebn in eneim Wrot snid, das ezniige, was wcthiig ist, ist dsas der estre und der leztte Bstabchue an der ritihcegn Pstoiion sehten. Der Rset knan ttoaelr Bsinöldn sien, todzterm knan man ihn onhe Pemoblre lseen. Das legit daarn, dsas wir nihct jeedn Bstachuebn enzelin leesn, snderon das Wrot als Gnaezs.

Ist zawr sohcn eatws ätler, aebr huete bin ich weiedr duarf gsteßoen. :)

2007 02 Jun

Das versale Eszett

Author: Eglatholion Categories: Allgemein, Linguistisches

Freunde und Bekannte ſehen mich in letzter Zeit mit dem Heftchen „Signa Heft Nr.9 – Das große Eszett“ herumlaufen und erklären mich für verrückt, wie ich ſo etwas denn freiwillig leſen könne.
Doch für mich als linguiſtiſch intereſſierter Menſch und ſʒ-Fan iſt dies momentan eine wichtige und ſpannende Zeit.

Denn am 27. April 2007 wurde von der DIN beſchloſſen, das verſale Eszett ſolle als „LATIN CAPITAL LETTER SHARP S“ im Unicode unter U+1E9E aufgenommen werden.
Binnen einer Jahresfriſt muß (und wird hoffentlich) dies nun vom Unicode Conſortium abgeſegnet werden.

Ich perſönlich hoffe ſehr darauf, daß dies geſchehen wird, damit dieſe unlogiſche Lücke in unſerem zweihäuſigen Schriftſyſtem endlich geschloſſen wird – eine Diskuſſion, die nun letztlich ſchon ſeit 128 Jahren beſteht.

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